Hochbegabung

Was sind hochbegabte Kinder?
Es existieren viele Vorstellungen darüber, was es bedeutet ein hochbegabtes Kind in der Klasse oder der Familie zu haben, bzw. wie hochbegabte Kinder eigentlich sind. 

Ein Geschenk
Für mich ist die Hochbegabung immer ein Geschenk. Es gibt Umstände, Umgebungsvariablen, Persönlichkeitseigenschaften, die das Leben mit oder als hochbegabtes Kind anstrengend machen. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass das nicht sein muss.

Für Sie als Eltern
Ich wünsche mir für alle Kinder, dass sie sich optimal entwickeln dürfen. Damit Sie Ihre Rolle als Eltern gut wahrnehmen können, habe ich einige Informationen für Sie zusammengetragen. Bitte bedenken Sie dennoch: „Alle hochbegabten Kinder haben nur eines gemeinsam; dass sie ganz verschieden sind.“ 

Damit aus Begabungen Lebenszufriedenheit entstehen kann!

Wortwolke zum Thema Hochbegabung in Form eines Schmetterlings
Verschiedne Wörter zum Thema Hochbegabung zu einer Schmetterlings-Wortwolke zusammengefügts-

Sowohl Eltern als auch PädagogInnen tendieren schnell dazu, sich an den Schulleistungen eines Kindes zu orientieren, um dessen Intelligenz einzuschätzen. Besonders hohe Begabungen lassen sich aber nicht immer an der Ausgereiftheit der Schulfertigkeiten erkennen. Oftmals zeigt sich Hochbegabung viel mehr in den „Feinheiten“ des täglichen Lebens.

Großes Detailwissen
Das kann zum Beispiel ein außergewöhnlich hohes Interesse gewissen Themen (Bsp. Tiere, Dinosaurier, Zahlen und Mengen, Weltraum, Geschichten und Gedichte etc.) sein. Sehr viele hochbegabte Kinder haben ihr „Fachgebiet“, das sie besonders fasziniert und in welchem sie oft auch über ein verblüffendes Detailwissen verfügen.

Fragen stellen - Antworten verstehen
In einer Gruppe mit Gleichaltrigen (z.B. Kindergarten oder Klasse) sind sie oft diejenigen, die bei einer Erklärung bis zum Schluss geistig dabeibleiben, sich mehr dafür interessieren und auch schneller verstehen, wie etwas funktioniert. Gerade naturwissenschaftlich besonders begabte Kinder fallen schnell auf, wenn sie Erklärungen nachvollziehen können und wollen, bei denen ihre Alterskollegen schon aussteigen.

Älter erscheinen
Außergewöhnliche sprachliche Begabung äußert sich gerade bei jüngeren Kindern schnell in Formen, die für Erwachsene faszinierend, belustigend oder irritierend wirken können. Nutzen sie z.B. Phrasen oder grammatikalische Strukturen, die eigentlich nicht altersentsprechend sind, argumentieren bereits wortgewandter und zielgerichteter als ihre Altersgenossen oder verfügen über einen außergewöhnlich großen Wortschatz, so erscheinen sprachlich (hoch)begabte Kinder nicht selten altklug oder besserwisserisch.

Gruppen leiten
Kinder, die über einen besonders ausgeprägten Gerechtigkeitssinn verfügen, die wahrnehmen, wenn es anderen nicht gut geht, die die Gruppe zusammenhalten und fähig sind Streits zu schlichten, verfügen im Normalfall über eine besonders hohe soziale Begabung.

 

Schwierigkeiten, hochbegabte Kinder in der Gruppe zu erkennen

Warum sind hochbegabte Kinder im Kindergarten oder in der Schule dann oft doch so schwer zu erkennen? Nicht alle Kinder mit besonderen Begabungen zeigen diese in allen Kontexten gerne.

Sozialer Rückzug
Manche ziehen sich in der Gruppe stärker zurück und sind sehr bemüht, sich anzupassen. Sie wirken ruhig und schüchtern und machen prinzipiell keine Probleme. Für diese Kinder kann diese „Fassade“ regelrecht zur Qual werden und viele leiden in weiterer Folge unter psychosomatischen Krankheiten. Solche Verhaltensmuster machen es für PädagogInnen sehr schwer, eine Hochbegabung zu erkennen.

Verhaltensauffälligkeiten
Natürlich gibt es auch das andere Extrem: Oft suchen sich Kinder, die kognitiv unausgelastet sind, ein anderes Ventil und werden sozial auffällig, indem sie z.B. den Clown spielen oder mit anderen anecken. Auch wenn das für die PädagogInnen und Eltern zunächst anstrengender wirkt, als ein ruhiges, sehr angepasstes hochbegabtes Kind, so ist es für das Kind oft gesünder. Zum einen hat es eine Möglichkeit zum Druckabbau gefunden und zum anderen zeigt es durch sein auffälliges Verhalten, dass es ein „Problem“ (Bsp. Unterforderung) gibt, welches erkannt werden will.

 

Begabungsfeststellung

Wenn Eltern oder PädagogInnen eine Hochbegabung vermuten, macht es Sinn, diese in einer Begabungsfeststellung abzuklären, und zwar besonders dann, wenn:

  • - das Kind unausgeglichen oder unglücklich wirkt, vielleicht sogar oft krank ist oder ungern in die Schule/den Kindergarten geht.
  • - Entscheidungen bezüglich der Schullaufbahn anstehen und die Eltern nicht sicher sind, was das Beste für das Kind wäre.

Häusliche Förderung 

Kinder fördern sich intuitiv im Spiel selbst. Sie greifen im Normalfall zu den Spielen oder Materialien, wo sie Begabungen und Interessen haben, und vermeiden Aktivitäten, in denen sie sich als weniger talentiert wahrnehmen. Grundsätzlich ist diese Selbstförderung etwas sehr Schönes und Praktisches, was man als Elternteil wunderbar unterstützen kann. Im Idealfall beobachten Eltern ihre Kinder (Was macht ihnen Spaß, wobei kommen sie in den „Flow“, zu welchen Spielen greifen sie?), stellen anhand dessen Material zur Verfügung und lassen sie auch viel einfach allein tun (Bsp. Lego bauen, Zeichnen, Lesen und Geschichten erfinden, etc.)
Es ist vollkommen natürlich, dass Kinder sich in ihren Stärken selbst fördern und eine Beschäftigung mit ihren Defiziten lieber vermeiden. Wenn man als Elternteil allerdings merkt, dass das Kind in einem Bereich tatsächliche Entwicklungsrückstände aufweist, ist es gut, dort auch einmal „anzustupsen“, z.B. mit motorisch wenig entwickelten Kindern trotzdem auf den Spielplatz zu gehen und sie zum Klettern und Balancieren zu ermutigen oder Kinder, die nicht gerne zeichnen, darin zu unterstützen, ihre grafomotorischen Fähigkeiten zu entwickeln.
 

Begabungsfördernde Angebote außerhalb der Schule

Bei sportlich oder musikalisch besonders begabten Kindern ist es intuitiv ganz klar, dass diese in einem Verein oder einer Musikschule untergebracht und dort auch außerhalb der Schule regelmäßig gefördert werden.
Genauso brauchen aber auch anderweitig begabte und interessierte Kinder Orte, an denen sie ihre Talente ausleben, Neues lernen und sich mit anderen Kindern austauschen können.
Einen solchen Ort bietet zum Beispiel der Talentegarten Mödling mit verschiedensten Kursangeboten in Bereichen wie Mathematik, Architektur, Fotografie, Naturwissenschaften und Experimentieren, Kreatives Schreiben, Coding und Robotics, Kunst und Kreativität, etc.
Manche Kinder entwickeln sich schneller als andere. Nichtsdestotrotz ist das Mindestalter für die Einschulung bei sechs Jahren festgesetzt. Für Kinder, die besonders wissbegierig sind, schon viel lernen wollen (das sind nicht unbedingt Schulfertigkeiten) und viele Fragen stellen, kann das letzte Kindergartenjahr sehr frustrierend sein. Unter anderem für solche Fälle wurden die Vorschulvormittage im Talentegarten ins Leben gerufen.
 

Weitere Angebote zur Begabungsförderung sind z.B.:
Das NÖ Science Center mit der Science Academy für die Älteren Kinder von 15 - 17 Jahren

Die webinare der NÖ Talenteschmieden

Für die Großen:
SchülerInnen an die Unis
Mit dem Projekt „Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ ist es Jugendlichen heutzutage möglich, schon während ihrer Schulausbildung an einer Uni/FH zu studieren. Speziell für SchülerInnen, die ein außergewöhnlich hohes Interesse in einem Fachgebiet aufweisen, sich mehr Tiefgang wünschen und bereits sehr eigenverantwortlich und selbstorganisiert arbeiten, kann ein solches Programm der richtige Schritt sein. Wer Interesse an einem solchen Studium hat, sollte einen guten Schulerfolg nachweisen können. Es gibt einige Universitäten und Fachhochschulen, die an diesem Projekt beteiligt sind. Das Studium ist (bis auf den ÖH-Beitrag) kostenlos und bereits während der Schulzeit können Prüfungen für das Studium abgelegt werden, die nach Bestehen der Matura anerkannt werden.

Hochbegabte Kinder verfügen meist über eine auffallend schnelle Auffassungsgabe – sei es in einem bestimmten Spezialgebiet oder im Lernen allgemein. Dadurch benötigen sie in der Regel weniger Wiederholungen als ihre Altersgenossen. In der Schule, wo sie sich die Aufmerksamkeit der Lehrperson mit ihren vielen Klassenkameraden teilen müssen, bedeutet das schnell Langeweile und Frustration. Dass Überforderung auf Dauer krank macht ist weitreichend bekannt (Stichwort Burnout), weitaus seltener wird aber davon gesprochen, dass auch dauerhafte Unterforderung ernsthafte Folgen für die geistige und körperliche Gesundheit haben kann. Umso wichtiger ist es deshalb, Möglichkeiten zur Differenzierung zu kennen und zu nutzen und hochbegabten Kindern damit ihre individuellen Herausforderungen und „echte“ Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

Binnendifferenzierung – Förderung direkt in der Klasse

Binnendifferenzierung findet direkt in der Klasse statt. Das Kind erhält von der Lehrperson anspruchsvollere Aufgaben, die es entweder direkt im Unterricht oder als Hausübung (anstelle der „leichteren“ Variante) bearbeitet. Dabei lassen sich zwei Aufgabentypen unterscheiden:

  • •  Vertiefende Aufgaben behandeln den erlernten Stoff von einer anderen Seite, greifen aber nicht auf zukünftigen Schulstoff vor. Im Fach Mathematik heißt das zum Beispiel: Knobelaufgaben lösen, eigene Aufgaben zum Thema erfinden, passende Geschichten/Fragestellungen zu Rechnungen überlegen, etc.
  • •  Vorgreifende Aufgaben inkludieren bereits Stoff, der laut Lehrplan eigentlich erst für den späteren Unterrichtsverlauf vorgesehen ist.

Das Drehtürmodell – die Tür zu einem anderen Lernort

Das Drehtürmodell unterscheidet sich von der Binnendifferenzierung insofern, dass das Kind außerhalb der eigenen Klasse an seinen anspruchsvolleren Aufgaben arbeitet. Das kann entweder in einem separaten Lernraum stattfinden, oder das Kind besucht in einem bestimmten Fach regelmäßig eine höhere Klassenstufe und arbeitet dort mit.

Projektarbeit

Projektarbeiten können hochbegabten Kindern viel geben. Hier können sie eigenständig für ein Thema recherchieren und ihren persönlichen Interessen in ihrem Tempo und ihrer Intensität nachgehen, was im „normalen“ Unterrichtskontext meist nicht der Fall ist. Die Lehrperson nimmt dabei eine begleitende und unterstützende Rolle ein, die bei Fragen zur Verfügung steht, die Kinder aber primär zum eigenverantwortlichen Arbeiten motiviert. Projektarbeiten können sowohl allein als auch in Gruppen durchgeführt werden. Bei Gruppenarbeiten werden gleichzeitig soziale Kompetenzen wie Teamfähigkeit, Kompromissbereitschaft, Kritikfähigkeit etc. gestärkt.

Eine Klasse überspringen

Das Überspringen einer Klasse ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein Kind sehr „flächendeckend“ besondere Begabungen bzw. einen höheren Entwicklungsfortschritt als seine Altersgenossen aufweist. Neben den klassischen Schulfächern bezieht sich das auch auf Kompetenzen wie Eigenverantwortung, Sozialverhalten, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz, etc.

Vorzeitige Einschulung

Wenn ein Kind sich im Kindergarten langweilt, Anzeichen von Unterforderung zeigt und vielleicht den Wunsch äußert, endlich etwas lernen zu wollen/endlich in die Schule gehen zu wollen, kann man eine vorzeitige Einschulung ab dem Alter von 6 Jahren in Betracht ziehen.

Spezielle Schulen für Hochbegabte

Wirkliche „Hochbegabtenschulen“ per se gibt es in Österreich kaum. Es wird primär ein integrativer Ansatz verfolgt, sprich die oben genannten Methoden zur Differenzierung genutzt. Dennoch gibt es ein paar Schulen, die besonderen Wert auf die Förderung besonders begabter Kinder legen, im Bezirk Mödling sind es besonders viele. 🙂
Volksschulen in Wien: Der SSR Wien unterstütz Schulen sich das „Begabungssiegel“ zu erwerben. Seit 2018 ist die Zahl stetig steigend.
Ab der Mittelstufe: Modellklasse des BG/BRG Franz Keimgasse, Mödling oder  BG/BRG Wieselburg
Nur für die Oberstufe: Sir Karl Popper Schule

Ja, auch das kann der Fall sein. Nicht immer haben alle hochbegabten Kinder auch automatisch ein gutes Zeugnis. Das kann folgende Gründe haben:

Leistungsmotivation

Fehlende Leistungsmotivation wird oft durch ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren verursacht, wobei verschiedene Ursachen auch unterschiedliche Lösungsansätze benötigen. Manchmal lässt sich als Ursache klar eine Unterforderung des Kindes feststellen. In solchen Fällen kann mit verschiedenen Differenzierungsmethoden reagiert werden, um wieder neue Herausforderungen zu schaffen. Weniger beitragen kann die Schule allerdings bei Faktoren wie mangelndem Interesse am Schulstoff oder grundsätzlichem Nicht-Üben-Wollen. Diese Probleme müssen direkt mit dem Kind bearbeitet werden. Auch Schwierigkeiten durch Teilleistungsstörungen können die Leitungsmotivation negativ beeinflussen. Hier können spezialisierte LerntherapeutInnen helfen.

Teilleistungsstörungen

Zu den Teilleistungsschwächen zählen:

  • •  Legasthenie
  • •  Dyskalkulie
  • •  Schwächen in der sensorischen Integration
  • •  Schwächen in der Körperwahrnehmung
  • •  Schwächen in der Raumwahrnehmung
  • •  Aufmerksamkeitsdefizite/ADHS/ADS

Unerkannte Teilleistungsstörungen können zu viel Frustration führen – auf Seiten des Kindes, der Eltern und der Lehrer. Sie bringen oftmals ein Gefühl der Hilflosigkeit mit sich - „Ich strenge mich doch wirklich an, warum will es nicht klappen?“ Dass darunter letztendlich auch die Motivation leidet, ist keine Überraschung. Bei Verdacht auf eine Teilleistungsschwäche sollte dieser schnellstmöglich, beispielsweise in einer Begabungsfeststellung, abgeklärt werden.

Stressmanagement

Auch hochbegabte Kinder können Versagensängste haben. Die Angst, nie gut genug zu sein, das Gefühl immer der/die Beste sein zu müssen und/oder extremer Ehrgeiz können Verursacher von Stress sein. In gesunden, situationsangemessenen Ausmaßen ist Stress grundsätzlich nichts Schlechtes (sogenannter Eustress) und kann uns sogar zu Höchstleistungen antreiben. Wird der Stress aber unverhältnismäßig groß, sorgenbehaftet und belastend (Distress), so sind oft Lernblockaden die Folge. Hier ist es wichtig, den Auslöser dieser Ängste zu erkennen und mit den richtigen Methoden aufzulösen, damit sich der Stress auf gesunde Level senken kann und die Blockaden überwunden werden können. 

Konzentration

Es lassen sich vier Arten von Konzentration unterscheiden:

Selektive oder fokussierende Aufmerksamkeit bezeichnet die Fähigkeit, sich vollkommen auf eine Tätigkeit zu konzentrieren, während Außenreize abgeschirmt werden (z.B. Bearbeiten einer Schulaufgabe während die KlassenkollegInnen schon leise tuscheln).
Aufmerksamkeitsaktivierung wird benötigt, um von einer Situation auf eine andere umzuschalten (z.B. Unterbrechen der Aufgabe, um der Lehrperson zuzuhören).
Daueraufmerksamkeit wird benötigt, um einem längeren Vortrag folgen zu können (z.B. Frontalunterricht)
Geteilte Aufmerksamkeit bezeichnet die Fähigkeit, sich auf zwei oder mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren zu können (z.B. Abschreiben von der Tafel während die Lehrperson schon etwas anderes erklärt).

Hat ein Kind Schwächen auf einem oder mehreren dieser Gebiete, so kann sich das trotz einer möglicherweise überdurchschnittlichen Begabung nachteilig auf die Schulnoten auswirken. 

Abhilfe kann ein Konzentrationstraining schaffen

Organisation

Hochbegabte Kinder verstehen meist sehr schnell. Oft sind sie es gewohnt, mit vergleichsweise geringem Zeitaufwand die geforderten schulischen Ziele erreichen zu können, sodass sie die Notwendigkeit organisierten Lernens nicht spüren. Früher oder später (manchmal bereits im Volksschulalter, manchmal erst im Studium) führt der sich stetig erhöhende Workload jedoch dazu, dass diese Strategie nicht mehr aufgeht. Es reicht dann plötzlich nicht mehr, sich am Abend davor schnell einmal den Stoff durchzulesen und eine Art von Organisation wird notwendig, die bis dato nicht erlernt wurde.

Oft müssen gerade hochbegabte Kinder also besonders dringend das Lernen „lernen“. Das bedeutet, einen Überblick über verschiedene Lernmethoden zu bekommen, herauszufinden, welcher Lerntyp man selber ist, die für sich passenden Strategien und Techniken zu erkennen und anwenden zu können sowie seine Lernzeiten und sein Material selber organisieren zu lernen. Dazu können Kurse, Coachings, Lerntherapien etc. besucht werden.

Auch das Gegenteil kann der Fall sein. Extrem ehrgeizige SchülerInnen lernen oft schon so viel, dass ihnen für Entspannung und Freizeitaktivitäten kaum noch Zeit bleibt. Bedingt wird ein solches Lernverhalten oft durch Versagensängste und die Folgen können auch bei Kindern und Jugendlichen bis zum Burnout reichen. In so einem Fall geht es also darum, eine gesunde Work-Life Balance zu erlernen und den Lernpausen in der Organisation bewusst einen wichtigen Anteil zuzusprechen.

Oft wird hochbegabten Kindern soziale Kompetenz abgesprochen. So hört man beispielsweise von PädagogInnen: „Kognitiv ist das Kind vielleicht sehr weit, sozial fehlt ihm aber dringend noch etwas. Wie ein Kuchen der außen schon fertig und innen noch roh ist.“ Die klare Antwort lautet jedoch, dass hochbegabte Kinder keineswegs weniger sozial sind als ihre durchschnittlich begabten Freundinnen und Freunde. Dies ist durch Studien belegt. Trotzdem können besonders begabte Kinder in ihrem Umfeld durchaus sozial auffallen und das kann verschiedenste Gründe haben.

Ausgefallene Interessen 
Vor allem für Kinder mit besonders ausgeprägten Interessen oder besonders starkem Intellekt ist es schwer, andere Kinder zu finden, die sich ebenfalls für ihr Thema interessieren oder kognitiv mit ihnen mithalten können. Die logische Folge kann sein, dass sich diese Kinder aus lauter Langeweile dann „lustige“ Dinge einfallen lassen (sprich stören) oder auffallend engen Kontakt zu den Erwachsenen und Pädagoginnen suchen, was diese wiederum oft als anstrengend und belastend erleben.

Sozial unreif oder besonders reif?
Paradoxerweise werden oftmals gerade besonders soziale Kinder von Erwachsenen als sozial unreif eingestuft. Sie haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und scheuen vor körperlichen Auseinandersetzungen, wie sie bei kleinen Kindern oft üblich sind, zurück. In der Gruppe fallen sie durch ihr zurückgezogenes Verhalten oder dadurch, dass sie kaum Kontakt zu anderen Kindern suchen, auf.

Stressor Unterforderung 
Heute ist bekannt, dass Unterforderung einen Stressor darstellt. Genau wie Überforderung löst Unterforderung im Körper Spannungen aus, welche sich durch einen veränderten Hormonhaushalt manifestieren. Das wird von Kindern auf unterschiedlichste Weisen verarbeitet. Während die sozial auffälligen Kinder diese Spannungen mit clownhaftem Verhalten oder Aggressionen ausagieren, werden andere Kinder immer ruhiger und beginnen sich sukzessive zurückzuziehen. Auch wenn laute, aggressive Kinder natürlich anstrengend in einer Gruppe sind, so ist ihr Verhalten dennoch als grundsätzlich gesund zu bewerten. Dagegen haben die ruhigen Kinder, die häufig den PädagogInnen und Eltern nicht einmal auffallen, immer wieder unter psychosomatischen Erkrankungen oder Depressionen zu leiden.

Erziehung begabter Kinder 
Last but not least trägt natürlich das Erziehungsverhalten der Eltern und PädagogInnen zum Verhalten von Kindern bei. Vor allem sprachlich besonders begabte Kinder machen es ihren Eltern immer wieder schwer, klare Grenzen zu setzen. Dies kann dazu führen, dass sie sich auch in anderen Kontexten schwertun, Grenzen zu akzeptieren.

Was der Grund für die sozialen Auffälligkeiten ihrer Kinder ist, ist für die Eltern und auch für die PädagogInnen häufig schwer festzustellen. In diesem Fall kann eine Erziehungsberatung, die einen Außenblick bietet, hilfreich sein.